Journalismus und Religion

Grundsätze für den journalistischen Umgang mit Religionen

Das Problem

Durch die gesellschaftliche Akzeptanz der größeren Religionen sehen sich Journalisten (zumindest die Kolleginnen und Kollegen bei Massenmedien) als Teil dieser Gesellschaft oft gezwungen, die religiösen Glaubensinhalte faktisch als “wahr” zu akzeptieren oder sie zumindest nicht öffentlich in Frage zu stellen. Daraus resultiert ein andauerndes Dilemma: Schöpfung, Jungfrauengeburt, die Dreeinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist, die Auferstehung von den Toten, Sabbat-Gebote, das ewige Leben etc. sind für atheistische Journalisten (und viele eingetragen christliche Kollegen) natürlich großer Quatsch. Trotzdem ist es in der Regel nicht erwünscht, dass dies in den Publikationen auch ausgesprochen wird. Am Ende berührt die journalistische Berichterstattung verschiedene verfassungsrechtlich verbriefte Rechte: Den Grundsatz der Gleichbehandlung (Art. 3 GG), das Recht auf freie Religionsausübung (Art. 4 GG) sowie das Recht auf freie Meinungsäußerung (Art. 5 GG). Alle Rechte müssen gewahrt werden - ein ständiger Balanceakt.

Die Lösung: Säkularismus und Distanz

Wie soll also der Journalist mit religiösen Inhalten umgehen? Unter säkularem Gesichtspunkt sind die Glaubensinhalte absolute Privatsache der Gläubigen. Aus dem im Grundgesetz verankerten Gebot der Gleichbehandlung folgt, dass allen Glaubensinhalten die gleiche Toleranz entgegen zu bringen ist. Es verbietet sich demnach, dass Journalisten “fremde” Glaubensinhalte aus ihrer oder der in ihrer Redaktion vorherrschenden religiösen Sicht bewerten lassen. Beispiel: In einem Beitrag über ein Treffen der Zeugen Jehovas sollte kein “Sektenbeauftragter” der EKD zu Wort kommen. Anders verhielte es sich, wenn gemeldet wird, dass die evangelische Kirche mit den Zeugen Jehovas zusammenarbeitet oder einen Streit austrägt.

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Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt

Die Giordano Bruno Stiftung hat vorgeschlagen, den bundesweiten Feiertag “Christi Himmelfahrt” in “Evolutionstag” umzubenennen. Das Darwin-Jahr 2009 biete einen hervorragenden Anlass, um den enormen Erkenntnisgewinn durch die Evolutionstheorie gesellschaftlich stärker zu verankern, sagte gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon. Da nicht zu erwarten sei, dass die gesetzgebenden Länder den “Evolutionstag” als zusätzlichen Feiertag einführen werden, biete sich die Umbenennung eines bereits bestehenden christlichen Feiertags an, heißt es in dem Petitionstext. Der hierfür am besten geeignete Kandidat sei “Christi Himmelfahrt”, einer der neun bundeseinheitlich geltenden Feiertage. Christi Himmelfahrt empfehle sich schon deshalb, weil viele Familien an dem Tag Ausflüge in die Natur unternehmen würden.

Die Petition zur Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag kann auf dem Internetportal zum Darwin-Jahr unterzeichnet werden.

Quelle: Newsletter der Giordano Bruno Stiftung

Kostenloses Charles-Darwin-Hörbuch

Zum 200. Geburtstag des berühmten britischen Naturwissenschaftlers hat Vorleser.net ein umfangreiches Kapitel aus Darwins Reisebericht als kostenloses Hörbuch veröffentlicht. In ”Das Feuerland” beschreibt der Forscher seine Exkursion mit der HMS Beagle an die Südspitze Amerikas und gibt seine Beobachtungen der Eingeborenen sowie der Natur detailliert, doch unbeschönigt wieder.

Zu welchen Erkenntnissen die Reise ins Feuerland den Evolutionstheoretiker führte, können sie hier nachhören. „Das Feuerland“ - gesprochen von Thomas Dehler - steht zum kostenlosen mp3-Download zur Verfügung. Mit Genehmigung von Vorleser.net können Sie schon hier einen etwa halbstündigen Teil Reiseberichtes hören:

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Im Namen der Eltern

SCHULGEBET IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Ein Elternpaar wollte nicht, dass sein Kind in der Schule beten muss - und schaltete die Behörden ein. Es folgten Verbote, eine Kampagne und das vermeintliche Machtwort einer Ministerin. Es geht um die Frage: Wann wird aus einem Gedicht ein Gebet?

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Marx: Religion als Opium des Volkes

Karl MarxOftmals wird Karl Marx‘ “Spruch” von der Religion als “Opium fürs Volk” zitiert. Das Zitat ist nicht nur falsch, es ist auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Rolf Dober, der unter anderem Religion unterrichtet, hat sich die Mühe gemacht, die entsprechende Textstelle bei Marx abzutippen, die ich hier wiedergeben möchte. Das Zitat stammt aus der Einleitung zur “Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie” von 1843.

Karl Marx - Religion als Opium des Volkes

Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d’honneur [Point-d'honneur: der Ehrenstandpunkt] ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. 

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Gottlose Botschaft - Atheisten kapern Linienbusse

In Großbritannien rollen seit dieser Woche Busse mit einer atheistischen Botschaft. In großen Lettern steht dort: “Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt mache Dir keine Sorgen und genieße Dein Leben”.  Die dpa-Korrespondentin Annette Reuther schreibt, dass die Kampagne überraschend viele Unterstützer gefunden habe. Die Organisatoren hätten lediglich Spendengelder in Höhe von 5500 Pfund angepeilt, um 30 Busse in London auszustatten. Doch insgesamt seien über die Wochen 140 000 Pfund zusammen gekommen. Nun würden im ganzen Königreich insgesamt 800 der Busse fahren, 200 davon in London.

Initiiert wurde die Kampagne von der Journalistin und Comedy-Autorin Ariane Sherine. Die 28-Jährige wollte eigenen Angaben zufolge einen Gegenpol zu christlichen Sprüchen geben, die Nicht-Gläubigen mit ewiger Verdammung und der Hölle drohten.

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Bienen

“Leben, sich ernähren, sich fortpflanzen, die Aufgabe erfüllen, für die man geboren wurde: darin steckt keinerlei Sinn, das stimmt, aber so stehen die Dinge nun einmal.”

Paloma (12) in “Die Eleganz des Igels” von Muriel Barbery (dtv), einem Buch evolutionär-humanistischer Prägung

Lukrez.de sucht MitstreiterInnen

So richtig kommt dieses Projekt nicht in die Gänge. Ich hatte mir viel vorgenommen, nur fehlt mir oft die Zeit und - zugegeben - auch die Lust, Artikel zu schreiben. Vielleicht magst Du ja aushelfen? Die Themen liegen auf der Straße, die Blog-Technik arbeitet zuverlässig - nun fehlt es nur noch an Menschen, die dem Ganzen Leben einhauchen. Also: Wenn Du eine flotte Schreibe und etwas zu sagen hast und auch noch damit etwas anfangen kannst, meldet dich!

Viele Grüße
Johannes

Neues Jahr - neuer Eintrag

Seit meinem letzten Blog-Eintrag sind mehr als drei Monate vergangen. Man könnte den Eindruck bekommen, dass mich das Thema nicht mehr interessiert, dass das Strohfeuer abgebrannt ist. Aber so ist es nicht! In diesem Moment lese ich die Äußerungen des Papstes, die dpa schreibt:

Papst Benedikt XVI. hat am Neujahrstag zum Frieden in aller Welt aufgerufen. Die tiefe Sehnsucht nach Frieden der großen Mehrheit der israelischen und palästinensischen Bevölkerung möge der «massiven Gewalt im Gaza-Streifen» standhalten, gedachte der Papst der Eskalation im Nahen Osten. Gleichzeitig kritisierte das katholische Kirchenoberhaupt beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom aufs Neue jede Art von Aufrüstung und forderte eine «globale Solidarität», um Frieden zu schaffen.

Wie viel gäbe es über die Gesundbeterei der Welt zu sagen! Aber ich habe keine Zeit. Schade.

Türkisches Gericht blockiert Zugang zur Webseite von Richard Dawkins

Ein türkisches Gericht hat den Zugang zur Webseite von Richard Dawkins sperren lassen. Das berichtet der Heise-Newsticker. Grund sei eine Klage des kreationistischen Autors Adnan Oktar gewesen, der unter dem Namen Harun Yahya unentwegt und in zahlreichen Sprachen Filme, Bücher und Artikel auf Webseiten gegen die Evolutionstheorie publiziert.

2006 und 2007 habe Oktar mit seinem “Atlas der Schöpfung” Wissenschaftler, Journalisten und Redaktionen in vielen Ländern bombardiert. Mit dem reich bebilderten Werk habe Oktar erneut den islamischen Glauben gegen die vermeintlichen Irrtümer der Darwinisten verteidigen und mit vielen Bildern von Fossilien “beweisen” wollen, dass die Evolutionstsheorie “ein groß angelegter Schwindel ist, eine der größten Betrügereien der Wissenschaftsgeschichte”.

Ähnlich wie die fundamentalistischen Christen in den USA und anderswo den Wortlaut der Bibel als bare Münze nehmen, macht dies Oktar mit dem Koran.

Auf Richard Dawkins Webseite habe man ihn und sein Werk “beleidigt”, führte Oktar vor Gericht an. Offenbar war das Gericht überzeugt und ließ am 3. September den Zugang sperren. Dawkins hatte in einem Artikel[6] einige der Argumente von Yahya zerplückt und dem Autor Dummheit bescheinigt. Dem Guardian sagte[7] Oktars Sekretär, dass man nicht gegen Meinungsfreiheit sei, aber man dürfe Menschen nicht beleidigen.

Das mag man nicht recht glauben, schließlich hatte Oktar letztes Jahr vergeblich versucht, die türkische Version des Dawkins-Buchs “Der Gotteswahn” verbieten zu lassen. Dafür hat er schon einmal die Sperrung des Zugangs zu Wordpress.com und zu Google Groups erreicht. In der Türkei werden nach der Einführung eines neues Internetgesetzes im letzten Jahr häufig Webseiten zensiert und der Zugang zu ihnen gesperrt.

Quelle: Heise